Eine Straße aus einer anderen Zeit
Die Strecke stammt aus den 1930er Jahren. Paraguayische Kriegsgefangene des Chacokriegs schlugen sie mit Hacke und Dynamit in die Felswand. Herausgekommen ist eine Fahrbahn, die sich an Steilhängen entlangwindet, unter Wasserfällen hindurch, oft im Nebel. Leitplanken gab es nicht. Wer bergab fuhr, musste am Abgrund ausweichen. Bis heute gilt eine Sonderregel: Hier fährt jeder links, damit der Fahrer die Reifenkante am Abgrund sieht.
Warum sie den Namen trägt
In den 1990er Jahren galt die Strecke als gefährlichste Straße der Welt. Die Interamerikanische Entwicklungsbank zählte geschätzte 200 bis 300 Verkehrstote pro Jahr. Busse verschwanden komplett in der Tiefe, Kreuze und Gedenktafeln säumen bis heute die Kurven. 2006 eröffnete Bolivien eine moderne, asphaltierte Umgehung. Seither ist der Lastwagen- und Busverkehr fast völlig verschwunden.
Heute: Spielplatz mit Restrisiko
Übrig blieb ein Klassiker des Abenteuer-Tourismus: Tausende Mountainbiker rollen jedes Jahr die 3.600 Höhenmeter hinunter, organisiert von Agenturen in La Paz. Das klingt entschärft, ist es aber nur zum Teil. Auch im Radsattel verunglückten hier immer wieder Menschen tödlich — meist durch zu viel Tempo an den ungesicherten Kanten. Der Untergrund bleibt loser Schotter, der Nebel bleibt Nebel, und die 600 Meter Luft neben der Fahrlinie verhandeln nicht.
Und warum trotzdem hinfahren?
Weil die Strecke atemberaubend ist — im wörtlichen Sinn. Von den kahlen Anden geht es binnen Stunden hinunter in dampfenden Bergregenwald, vorbei an Wasserfällen, mit Blick über ein Wolkenmeer. Mit einer seriösen Agentur, gutem Rad, Helm und dem eigenen Kopf als wichtigster Bremse ist die Todesstraße heute ein kalkulierbares Abenteuer. Wer sie unterschätzt, verlängert die Reihe der Kreuze am Wegesrand.