Ein Riss in der Erdkruste
Die Danakil ist Teil des Afar-Dreiecks, einer Stelle, an der drei Kontinentalplatten auseinanderdriften. Die Erdkruste ist hier so dünn wie kaum irgendwo an Land. Das Ergebnis: Vulkane, heiße Quellen, Erdbeben und ein Boden, der sich pro Jahr um mehrere Zentimeter bewegt. Am Vulkan Erta Ale brodelt einer der wenigen dauerhaften Lavaseen der Erde — nachts leuchtet der Krater orange in die Wüste.
Dallol: schön wie Gift
Das berühmteste Bild der Danakil stammt aus dem Geothermalfeld Dallol: neongrüne und gelbe Becken, weiße Salzterrassen, orange Krusten. Die Farben stammen von Schwefel, Eisen und Salzen — und fast alles davon ist ätzend, kochend heiß oder beides. Manche Tümpel haben einen pH-Wert nahe null. Hier badet niemand. Sie gehen vorsichtig, hinter dem Führer, auf geprüftem Boden.
50 Grad und ein Salz-Geschäft
Im Sommer erreicht die Luft regelmäßig 45 bis 50 Grad, manchmal mehr. Seit Jahrhunderten schlagen Afar-Karawanen hier Salzplatten aus dem Boden und tragen sie mit Kamelen tagelang ins Hochland — eine der härtesten Arbeiten der Welt. Dazu kommt die Lage an der Grenze zu Eritrea. Die Region war wiederholt Schauplatz bewaffneter Zwischenfälle. Touren gibt es nur mit bewaffneter Eskorte und lokaler Genehmigung.
Und warum trotzdem hinfahren?
Weil es nichts Vergleichbares gibt. Die Danakil ist Geologie zum Anfassen — ein Blick in die Werkstatt des Planeten, dorthin, wo in ein paar Millionen Jahren ein neuer Ozean entsteht. Wer die Hitze erträgt, mit einer erfahrenen Agentur reist und die Sicherheitslage vorher prüft, bekommt Bilder, die aussehen, als wären sie nicht von dieser Erde. Sie sind es aber — genau das ist das Unheimliche.