Gefährlicher Ort · Brasilien

Ilha da Queimada Grande: Die Insel, die niemand betreten darf

RISIKO-EINSTUFUNG: 5/5
Foto: Backpackerin / Pixabay
Rund 33 Kilometer vor der Küste des brasilianischen Bundesstaats São Paulo liegt eine kleine, grüne Insel. Sie sieht harmlos aus. Sie ist es nicht: Auf der Ilha da Queimada Grande lebt eine der dichtesten Giftschlangen-Populationen der Welt — und eine Art, die es nirgendwo sonst gibt. Das Betreten ist gesetzlich verboten. Aus gutem Grund.

Eine Insel als Evolutionslabor

Vor rund 11.000 Jahren stieg der Meeresspiegel und schnitt die Insel vom Festland ab. Die dort gestrandeten Lanzenottern hatten keine Beutetiere am Boden mehr — also spezialisierten sie sich auf Zugvögel, die auf der Insel rasten. Dafür brauchten sie ein Gift, das schnell wirkt, bevor der Vogel davonfliegt. Das Ergebnis ist die Insel-Lanzenotter (Bothrops insularis): Ihr Gift gilt als drei- bis fünfmal stärker als das ihrer Verwandten auf dem Festland.

Wie viele Schlangen sind es wirklich?

Die oft zitierte Zahl „fünf Schlangen pro Quadratmeter“ ist Legende — seriöse Schätzungen gehen von etwa 2.000 bis 4.000 Tieren auf der 43 Hektar großen Insel aus. Das ist immer noch eine der höchsten Schlangendichten der Welt. Die Tiere leben in den Bäumen, sind tagaktiv und haben auf der Insel keine natürlichen Feinde. Für Menschen bedeutet ein Biss ohne schnelle Behandlung Lebensgefahr — und das nächste Krankenhaus liegt eine Bootsstunde entfernt.

Verboten, bewacht, begehrt

Die brasilianische Marine kontrolliert die Insel, betreten dürfen sie nur Forschungsteams mit Sondergenehmigung — in Begleitung eines Arztes. Ausgerechnet das Verbot macht die Insel begehrt: Die seltene Lanzenotter erzielt auf dem Schwarzmarkt hohe Preise. Tierschmuggler gelten als reale Bedrohung für den Bestand. Die Art steht auf der Roten Liste als vom Aussterben bedroht — die gefährlichste Schlange der Insel ist, wie so oft, der Mensch.

Und wie nah kommen Sie legal heran?

Per Boot bis vor die Küste — Angeltouren und Ausflüge ab Itanhaém oder Peruíbe fahren in Sichtweite der Insel, ohne anzulegen. Das genügt völlig: Sie sehen die grüne Kuppel im Atlantik und den verlassenen Leuchtturm von 1909 — seine letzte Wärterfamilie starb der Legende nach durch Schlangenbisse. Und Sie behalten alle zehn Finger. Der Rest ist Sache der Forschung — und der Vorstellungskraft.

Gut zu wissen

  • Lage: Atlantik, ca. 33 km vor São Paulo (Brasilien), 43 Hektar
  • Bewohner: Insel-Lanzenotter (Bothrops insularis) — nur hier heimisch, stark bedroht
  • Zutritt: Gesetzlich verboten; nur Forschung mit Genehmigung der Marine
  • Legal möglich: Bootstouren ab Itanhaém/Peruíbe bis vor die Insel (ohne Anlandung)
  • Klare Ansage: Nicht anlegen, nicht klettern, nichts „nur kurz fotografieren“ — das Verbot schützt Menschen und Schlangen gleichermaßen.
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