Ein Vulkan mit Taktung
Der Merapi gehört zum pazifischen Feuerring und gilt als einer der aktivsten Vulkane der Erde. Seine Spezialität sind pyroklastische Ströme: Lawinen aus Glutwolken, Asche und Gestein, mehrere hundert Grad heiß, die mit über 100 km/h talwärts rasen. Die Einheimischen nennen sie „wedhus gembel“ — Wollschafe — nach den wolkigen Kaskaden, die alles verbrennen, was sie berühren. Der Ausbruch von 2010 tötete über 350 Menschen; die Behörden evakuierten Hunderttausende.
Warum niemand wegzieht
Vulkanasche ist Dünger: Die Hänge des Merapi tragen bis zu drei Reisernten im Jahr, dazu Gemüse, Tabak, Obst. Sand und Gestein aus den Ausbrüchen sind ein eigener Wirtschaftszweig. Und der Berg ist heilig — in der javanischen Tradition wohnt im Krater ein Geisterreich, das der Sultan von Yogyakarta mit jährlichen Opfergaben besänftigt. Ein Hofbeamter trug den Titel des Schlüsselwärters des Merapi. Der berühmteste von ihnen, Mbah Maridjan, starb 2010 in seinem Haus am Hang — er hatte sich geweigert zu gehen.
Verkabelt wie ein Intensivpatient
Kaum ein Vulkan ist besser verkabelt: Seismometer, Neigungsmesser, Drohnen, Kameras. Die indonesische Vulkanologie-Behörde passt die Warnstufen laufend an. Die Sperrzonen um den Krater wechseln je nach Aktivität zwischen drei und sieben Kilometern. Das System funktioniert — 2010 räumten die Behörden die Dörfer rechtzeitig und retteten zehntausenden Menschen das Leben. Aber es macht den Berg nicht harmlos: Die Glutlawinen brauchen vom Krater bis in bewohnte Täler nur Minuten.
Und wie nah kommen Sie verantwortungsvoll heran?
Yogyakartas Reiseveranstalter fahren Besucher mit Geländewagen durch die Lava-Landschaften von 2010 — inklusive eines Museums aus einem zerstörten Wohnhaus. Die Besteigung selbst startet meist nachts in Selo und ist bei niedriger Warnstufe möglich, aber anstrengend und nur mit Führer sinnvoll. Eiserne Regel: die aktuelle Warnstufe prüfen, Sperrzonen respektieren, bei Aktivität sofort umdrehen. Ein Vulkan mit Fahrplan bleibt ein Vulkan.