Gefährlicher Ort · Indien

North Sentinel Island: Die Insel der Sentinelesen

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Symbolbild — Foto: Foundry / Pixabay
Im Golf von Bengalen liegt eine Insel von der Größe Sylts, umgeben von Korallenriffen und einem gesetzlichen Bannkreis: Nordsentinel, Heimat der Sentinelesen — eines der letzten Völker der Erde, das jeden Kontakt mit der Außenwelt ablehnt. Und zwar mit Pfeil und Bogen.

Die Sentinelesen: Zehntausende Jahre Eigenständigkeit

Die Sentinelesen leben vermutlich seit Jahrtausenden auf ihrer Insel, als Jäger, Fischer und Sammler. Wie viele es sind, weiß niemand — Schätzungen reichen von wenigen Dutzend bis wenigen hundert. Ihre Sprache versteht kein Außenstehender, selbst die Nachbarvölker der Andamanen können sie nicht deuten. Fast alles, was die Welt über sie „weiß“, stammt aus Beobachtungen vom Boot oder aus der Luft. Sie sind kein Volk aus der Steinzeit, wie Schlagzeilen behaupten — sie sind Zeitgenossen, die sich gegen Kontakt entschieden haben.

Eine Geschichte, die ihre Ablehnung erklärt

1880 verschleppte ein britischer Kolonialoffizier sechs Sentinelesen; die Erwachsenen starben binnen Tagen an eingeschleppten Krankheiten. Die Kinder brachte er mit Geschenken zurück — samt Erregern, deren Wirkung niemand kennt. Genau da liegt bis heute die tödlichste Gefahr: Gegen gewöhnliche Atemwegsinfekte haben die Sentinelesen keinerlei Abwehr. Ein einziger harmloser Schnupfen eines Besuchers könnte das ganze Volk auslöschen. Ihre Pfeile schützen also beide Seiten.

Kontaktversuche und ihre Folgen

Indien versuchte ab den 1960er Jahren „Geschenk-Kontakte“ mit Kokosnüssen — mal nahmen die Insulaner sie an, meist flogen Pfeile. Seit den 1990er Jahren gilt: keine Kontaktversuche mehr, drei Seemeilen Sperrzone, Patrouillen der Küstenwache. 2006 töteten die Sentinelesen zwei Fischer, deren Boot abgetrieben war; 2018 den amerikanischen Missionar John Chau, der sich illegal an Land bringen ließ. Indien klagte nicht die Insulaner an, sondern die Helfer des Missionars — die Rechtslage ist eindeutig.

Warum dieser Ort in unsere Liste gehört

Nordsentinel ist der einzige Ort dieser Sammlung, dessen Gefahr ein Menschenrecht ist: das Recht, in Ruhe gelassen zu werden. Es gibt hier kein „mit gutem Führer machbar“. Sie sehen die Insel allenfalls als grünen Strich vom Schiff nach Port Blair — und genau so soll es bleiben. Manchmal ist der äußerste Rand der Landkarte dort, wo die Neugier endet und der Respekt anfängt.

Gut zu wissen

  • Lage: Andamanen, Golf von Bengalen (Indien), ca. 60 km westlich von Port Blair
  • Bewohner: Sentinelesen — Zahl unbekannt (Schätzungen: 50–200)
  • Zutritt: Absolut verboten; 3-Seemeilen-Sperrzone, von Indien überwacht
  • Gefahr für beide Seiten: Pfeilbeschuss für Eindringlinge — eingeschleppte Krankheiten für die Insulaner
  • Klare Ansage: Es gibt keine legale und keine ethisch vertretbare Möglichkeit, diese Insel zu besuchen. Punkt.
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