Alltag, kein Abenteuerpark
Die Brücke entstand nicht für Nervenkitzel, sondern aus Notwendigkeit: Sie verbindet das Dorf Hussaini mit Weiden und Siedlungen am anderen Ufer. Für die Menschen im Oberen Hunza — die Wakhi — war sie jahrzehntelang schlicht der Weg zur Arbeit, mit Lasten auf dem Rücken, bei jedem Wetter. Dass daneben die Reste einer noch älteren, halb zerfallenen Vorgängerbrücke hängen, macht das Bild komplett: Hier reparieren die Menschen, was reißt, und gehen weiter.
Was sie gefährlich macht
Die Planken liegen teils eine Schrittlänge auseinander, manche sind lose, manche fehlen. Der Wind aus dem Tal lässt die Konstruktion schwingen und drehen. Unter den Füßen schiebt der Hunza Gletscherwasser mit Wucht Richtung Indus — wer hineinfällt, kämpft nicht nur mit der Strömung, sondern auch mit Wassertemperaturen knapp über null. Ein Geländer im eigentlichen Sinn gibt es nicht, nur Halteseile. Gesichert ist hier: nichts.
Zwischen Attapabad-See und Karakorum Highway
Die Region selbst ist eine Wucht: Direkt oberhalb liegt der türkisblaue Attabad-See, entstanden 2010 durch einen gewaltigen Erdrutsch, der das Tal monatelang absperrte. Der Karakorum Highway — die höchste asphaltierte Fernstraße der Welt — führt in Sichtweite vorbei, umgeben von Sechs- und Siebentausendern wie dem Passu-Kegel. Die Brücke ist heute Fotomotiv und Mutprobe für Reisende; die Einheimischen sehen dem Treiben mit der Gelassenheit von Menschen zu, die das seit Kindheit machen.
Und wie kommen Sie verantwortungsvoll hinüber?
Langsam, mit beiden Händen an den Seilen, nie zu mehreren dicht hintereinander, nicht bei starkem Wind, nicht mit rutschigen Sohlen — und mit der Bereitschaft, auf halber Strecke umzudrehen, wenn der Kopf Nein sagt. Wer schwindelfrei ist, bekommt eine der eindrücklichsten Flussquerungen Asiens. Wer nicht, fotografiert vom Ufer — auch dafür ist die Brücke gebaut, zumindest inoffiziell.