Warum dieser Vulkan anders ist
Die meisten Lavaströme der Welt überholen Sie zu Fuß. Die des Nyiragongo nicht: Seine extrem kieselsäurearme Lava fließt am Steilhang laut Schätzungen mit bis zu 60, in Einzelberichten 100 km/h. 1977 riss der Kratersee binnen einer Stunde leer und tötete hunderte Menschen im Schlaf. 2002 zerstörte die Lava große Teile des Stadtzentrums von Goma samt Flughafenpiste, hunderttausende flohen. Der Vulkan gehört nicht zufällig zu den 16 „Dekaden-Vulkanen“, die die Wissenschaft weltweit am schärfsten beobachtet.
Dazu: eine unsichtbare Gefahr aus dem See
Unter dem benachbarten Kivu-See lagern gigantische Mengen gelöstes Kohlendioxid und Methan. Vulkanische Aktivität könnte sie theoretisch freisetzen — ein Szenario wie am Nyos-See in Kamerun 1986, nur um ein Vielfaches größer, mit Millionen Anrainern. Zusätzlich treten rund um Goma sogenannte Mazukus auf: Senken, in denen sich geruchloses CO₂ sammelt und immer wieder Menschen und Tiere erstickt. Die Region lebt buchstäblich auf einem Gaskissen.
Ein Krater wie ein Amphitheater
Und trotzdem: Die Besteigung des Nyiragongo galt vor den jüngsten Krisen als eine der großartigsten Vulkan-Touren der Welt. Sechs Stunden Aufstieg durch Regenwald und Lavafelder, Übernachtung in Hütten am Kraterrand auf 3.470 Metern — und nachts der Blick hinunter auf einen glühenden See, der schmatzt, spritzt und den Himmel orange färbt. Die Touren organisierte der Virunga-Nationalpark, Afrikas ältestes Schutzgebiet — mit bewaffneten Rangern.
Die ehrliche Einordnung
Der Osten der DR Kongo ist seit Jahren Schauplatz bewaffneter Konflikte; der Virunga-Park musste den Tourismus wiederholt komplett einstellen, Ranger wurden getötet, auch Goma selbst war zuletzt umkämpft. Ob und wann Besteigungen wieder möglich sind, entscheidet die Lage vor Ort. Wer davon träumt, hält den Traum warm, prüft die offiziellen Kanäle des Parks — und fährt erst, wenn Park und Auswärtiges Amt grünes Licht geben. Ein Lavasee läuft nicht weg. Ein Krieg leider auch nicht schnell genug.