Sete Cidades und die Farben der Krater
Das Wahrzeichen von São Miguel: zwei Seen in einem gemeinsamen Vulkankessel, der eine blau, der andere grün — der Legende nach die Tränen einer Prinzessin und eines Hirten, die nicht zueinander durften. Vom Aussichtspunkt Boca do Inferno wirkt die Caldera wie gemalt. Ein paar Täler weiter dampft Furnas: Dort kochen Einheimische den Eintopf Cozido in Erdlöchern, gegart von Vulkanwärme. Im Thermalbecken des Terra-Nostra-Parks baden Sie in eisenbraunem 38-Grad-Wasser unter Palmen.
Wale als Nachbarn
Vor den Azoren fällt der Meeresboden auf tausende Meter — ideale Bedingungen für über zwanzig Wal- und Delfinarten. Pottwale leben hier ganzjährig in Familienverbänden, im Frühjahr ziehen Blau- und Finnwale vorbei. Die Beobachtungstouren ab Ponta Delgada, Pico oder Faial arbeiten mit den alten „Vigias“, Wal-Spähern an Land, die einst der Waljagd dienten und heute den Ausflugsbooten die Blasfontänen melden. Trefferquote: erstaunlich hoch.
Wandern zwischen Kratern, Teefeldern und dem höchsten Berg Portugals
Auf São Miguel wachsen Europas einzige Teeplantagen (seit 1883, Besichtigung frei). Auf Pico steigen Sie auf Portugals höchsten Berg — 2.351 Meter Vulkan, dessen Weinfelder in schwarzen Lavasteinmauern UNESCO-Welterbe sind. Flores im äußersten Westen ist ein einziger Wasserfall-Garten. Und überall: Levadas, Kraterrandwege, Küstenpfade. Das Wetter wechselt dabei im Stundentakt — die Azoreaner sagen: vier Jahreszeiten an einem Tag, und meinen es freundlich.
Ehrlich bleiben: Kein Badeurlaub im klassischen Sinn
Wer Bettenburgen-Strände sucht, ist falsch: Der Atlantik ist frisch (18–23 Grad), Strände sind klein und dunkel, dafür gibt es Naturschwimmbecken aus Lavagestein wie in Biscoitos auf Terceira. Die Azoren sind ein Ziel für Draußen-Menschen mit Regenjacke und Neugier — und mit dem Anspruch, dass „grün“ keine Marketingfarbe ist, sondern das Ergebnis von Wasser von oben. Genau das macht sie zum vielleicht entspanntesten Naturziel Europas.