Gefährlicher Ort · Chile

Kap Hoorn: Der Friedhof der Segelschiffe

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Symbolbild — Foto: aguscasullo / Pixabay
Wo Südamerika endet, treffen zwei Ozeane aufeinander — und keiner von beiden ist in Feierlaune. Am Kap Hoorn jagen Westwinde ohne Landbremse um den halben Globus, Wellen türmen sich an der ansteigenden Schelfkante, und Stürme kommen ohne Voranmeldung. Schätzungen zufolge liegen rund um das Kap die Wracks von etwa 800 Schiffen. Seeleute nannten die Umrundung schlicht: die Prüfung.

Warum ausgerechnet hier?

Zwischen Kap Hoorn und der Antarktis liegt die Drakestraße — die einzige Stelle der Erde, an der der Westwindgürtel ungebremst um den ganzen Planeten läuft. Die Winde pressen sich durch die 800 Kilometer breite Lücke, das Wasser der Zirkumpolarströmung gleich mit. Trifft dieser Schwung auf den flacher werdenden Meeresboden vor dem Kap, stauchen sich die Wellen zu Brechern von 15, in Extremfällen über 20 Metern. Dazu Williwaws: Fallböen von den Bergen Feuerlands, die aus heiterem Himmel Orkanstärke erreichen.

Fünfhundert Jahre Seefahrtsdrama

Seit der Entdeckung 1616 war die Route um das Kap der einzige Weg zwischen Atlantik und Pazifik für große Schiffe — bis zur Eröffnung des Panamakanals 1914. Generationen von Frachtseglern kämpften sich um das Kap, manche kreuzten wochenlang gegen den Weststurm und kehrten geschlagen um. Wer die Umrundung geschafft hatte, durfte der Tradition nach einen goldenen Ohrring tragen und die Füße auf den Tisch legen. Das Privileg bezahlten tausende Seeleute mit dem Leben.

Das Kap heute

Auf der Felseninsel wachen ein chilenischer Marineposten, ein kleiner Leuchtturm, eine Kapelle und das Albatros-Denkmal für die ertrunkenen Seeleute. Kreuzfahrt- und Expeditionsschiffe umrunden das Kap regelmäßig — ob Passagiere anlanden können, entscheidet das Wetter, und das Wetter sagt oft Nein. Für Segler ist die Passage bis heute das Everest-Äquivalent des Ozeans: machbar mit Erfahrung, Wetterfenster und einem Boot, das Schläge wegsteckt. Routine wird sie nie.

Und warum trotzdem hinfahren?

Weil das Kap ein Mythos ist, den Sie tatsächlich besuchen können. Auf einem Expeditionsschiff ab Ushuaia oder Punta Arenas ist die Reise sicher und grandios: Albatrosse mit drei Metern Spannweite, Gletscherkanäle Feuerlands, und dann dieser schwarze Felsen im Weißwasser. Wer an der Reling steht, während das Schiff im Schwell arbeitet, versteht ohne ein Wort, warum hier 800 Schiffe liegen.

Gut zu wissen

  • Lage: Isla Hornos, Feuerland-Archipel (Chile), 55°59′ Süd
  • Bilanz: Rund 800 Schiffswracks und tausende Tote seit dem 17. Jahrhundert
  • Anreise: Expeditions-/Kreuzfahrtschiffe ab Ushuaia oder Punta Arenas
  • Beste Zeit: Südsommer November bis März — „ruhig“ ist hier relativ
  • Klare Ansage: Eigene Segel-Passagen nur mit Hochsee-Erfahrung, Wetterrouting und seetüchtigem Schiff.
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