Paradiesischer Ort · Türkei

Kappadokien: Hundert Ballons über einer Mondlandschaft

SEHNSUCHTS-EINSTUFUNG: 4/5
Foto: checovenier / Pixabay
Jeden Morgen bei Windstille steigen über Zentralanatolien bis zu hundert Heißluftballons gleichzeitig auf — über ein Tal aus Feenkaminen, Tuffsteintürmen und Höhlenstädten, das aussieht, als hätte jemand eine Wüste aus Sandburgen gebaut. Kappadokien ist einer der wenigen Orte, an denen die Luftaufnahme Alltag ist.

Wie die Feenkamine entstanden

Vor Millionen Jahren begruben Vulkanausbrüche die Region unter Asche, die zu weichem Tuff versteinerte, gedeckelt von härterem Basalt. Erosion erledigte den Rest: Wo der Basaltdeckel hielt, blieben Türme mit „Hüten“ stehen — die berühmten Feenkamine, manche über 30 Meter hoch. Ganze Täler sind von diesen Formationen gefüllt, jedes mit eigenem Charakter: das Rosental in Rottönen, das Liebestal mit seinen unmissverständlich geformten Säulen, das Taubental voller Nischen.

Ein Untergrund voller Städte

Der weiche Tuff ließ sich seit jeher aushöhlen — und die Menschen Kappadokiens gruben nicht nur Wohnungen, sondern ganze Städte in die Tiefe: Derinkuyu reicht mindestens acht Ebenen und rund 85 Meter hinab, mit Ställen, Kirchen, Weinpressen und tonnenschweren Rollsteintüren gegen Angreifer; Platz für tausende Menschen. Oben schmückten byzantinische Mönche ihre Felsenkirchen mit Fresken — im Freilichtmuseum Göreme, UNESCO-Welterbe, stehen die schönsten dicht an dicht.

Die Sache mit den Ballons

Die Ballons fliegen das ganze Jahr, sofern der Wind mitspielt — rund 250 Flugtage. Start vor Sonnenaufgang, eine Stunde Schweben zwischen Feenkaminen und über Täler, oft tiefer, als Anfänger erwarten: Gute Piloten streifen fast die Baumwipfel. Wer nicht fliegt, hat den zweitbesten Platz auf den Hügeln von Göreme oder einer Hotel-Dachterrasse in Uçhisar — das Bild der hundert Ballons vor der Morgensonne gibt es gratis dazu. Buchung: seriöse Lizenzanbieter, zwei Puffertage für Windabsagen.

Ehrlich bleiben: Kulisse mit Betrieb

Göreme ist längst ein Tourismusort mit Höhlenhotel-Konkurrenzkampf und Fotoshooting-Gewerbe; an manchen Aussichtspunkten posieren morgens mehr Kleider als Wanderer. Die Auswege sind dieselben wie überall: zu Fuß in die Täler (schon zehn Minuten abseits sind Sie allein), Nebensaison — im Winter mit Schnee auf den Feenkaminen ist Kappadokien am magischsten — und Unterkunft in ruhigeren Dörfern wie Ortahisar. Die Landschaft trägt jeden Betrieb weg; sie ist schlicht zu groß dafür.

Gut zu wissen

  • Lage: Zentralanatolien, Türkei — Drehkreuz Göreme/Nevşehir
  • Anreise: Flug über Istanbul nach Nevşehir oder Kayseri, dann Transfer
  • Beste Zeit: April–Juni und September–November; Winter für Schneebilder
  • Höhepunkte: Ballonfahrt, Göreme-Museum, Derinkuyu, Rosental-Wanderung, Uçhisar
  • Gut zu wissen: Ballonfahrten sind windabhängig — Puffertage einplanen und nur lizenzierte Anbieter wählen.
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