Ein Werk der Eiszeit
Genau genommen ist der „Sound“ ein Fjord: Gletscher hobelten das Tal aus, das Meer flutete es. Zurück blieben Wände wie der Mitre Peak, der fast 1.700 Meter senkrecht aus dem Wasser ragt — einer der höchsten Meeresberge der Welt. Die Gletscher hinterließen auch eine Kuriosität: Auf dem Salzwasser liegt eine von Regen gespeiste Süßwasserschicht, dunkel gefärbt vom Tannin der Wälder. Sie dämpft das Licht so, dass in Tauchtiefe Tiefsee-Arten wie Schwarzkorallen leben — im Unterwasser-Observatorium sehen Sie sie trockenen Fußes.
Der Regen ist das Geheimnis
Milford Sound ist einer der nassesten bewohnten Orte der Erde: rund sieben Meter Niederschlag im Jahr, verteilt auf etwa 180 Regentage. Klingt abschreckend — ist aber der Trick: Erst bei Regen erwacht der Fjord richtig, wenn hunderte temporäre Wasserfälle die Wände herabstürzen und der Wind ihre Gischt zurück nach oben bläst. Die Dauerbrenner Stirling Falls und Lady Bowen Falls laufen ohnehin immer. Einheimische sagen: Es gibt keinen schlechten Tag im Milford Sound, nur verschiedene Inszenierungen.
Anreise als Hauptprogramm
Die Milford Road ab Te Anau gehört zu den großen Panoramastraßen der Welt: Spiegelseen, Kea-Papageien am Homer-Tunnel, Regenwaldtäler. Wer Zeit und Kondition hat, geht zu Fuß: Der Milford Track, vier Tage durch Fiordland, trägt seit über hundert Jahren den Titel „the finest walk in the world“. Er ist so begehrt, dass die Hüttenplätze für die Saison binnen Minuten ausgebucht sind. Auf dem Wasser gilt: kleine Boote und Randzeiten schlagen die Mittags-Großausflüge; Kajakfahrer erleben den Fjord am unmittelbarsten.
Ehrlich bleiben: Besuchermengen und Sandflies
Fast eine Million Menschen pro Jahr besuchen den Fjord — mittags kann der kleine Hafen an Busbahnhof erinnern. Früh anreisen oder übernachten löst das Problem weitgehend. Und dann sind da die Sandflies, winzige Kriebelmücken mit großem Appetit: Die Māori-Legende sagt, die Göttin der Unterwelt habe sie erschaffen, damit die Menschen an diesem zu schönen Ort nicht verweilen. Insektenschutz einpacken — und trotzdem verweilen.