Die Explosion, die eine Kultur beendete
Um 1600 v. Chr. sprengte sich die Insel in einer der gewaltigsten Eruptionen der Menschheitsgeschichte selbst in die Luft. Der Ausbruch begrub die minoische Siedlung Akrotiri unter Bimsstein und löste Flutwellen in der halben Ägäis aus. Manche Forscher sehen darin den Kern der Atlantis-Erzählung. Die Asche konservierte Akrotiri wie Pompeji; heute ist die Ausgrabung begehbar: dreitausend Jahre alte Häuser mit Treppen, Wandmalereien, Kanalisation. Wer die Caldera-Aussicht versteht, versteht sie hier zuerst.
Leben auf der Kraterkante
Die berühmten Bilder — weiße Kuben, blaue Kuppeln, dahinter das tiefblaue Rund der Caldera — stammen aus Oia und Firá, den Dörfern auf der Kante. Dazwischen verläuft der schönste Spaziergang der Insel: der Kraterrand-Weg von Firá nach Oia, zehn Kilometer mit Dauerpanorama. Unten in der Caldera dampfen die schwarzen Vulkaninselchen Nea und Palea Kameni; Sie können hinüberbooten, über noch warme Schwefelfelder zum Krater steigen und in heißen Quellen baden. Der Vulkan schläft — er ist nicht weg.
Wein aus Asche, Strände in Schwarz
Santorins zweite Überraschung ist der Boden: Auf Bims und Asche wachsen uralte Assyrtiko-Reben, zu Körben gerollt als Schutz vor dem Wind. Der mineralische Weißwein der Insel gehört zu Griechenlands besten — Sie verkosten ihn in Kellereien mit Calderablick. Die Strände wiederum sind vulkanschwarz (Perissa, Kamari) oder rostrot (Red Beach) und heizen sich barfuß-feindlich auf: Badeschuhe sind auf Santorin kein modisches Zugeständnis.
Ehrlich bleiben: Der Andrang hat ein Ausmaß
Santorin gehört zu den meistbesuchten Flecken des Mittelmeers; an Kreuzfahrttagen quellen Oias Gassen über, der Sonnenuntergang wird zum Gedränge mit Applaus. Die Gegenmittel: Mai oder Oktober statt Hochsommer, Unterkunft in ruhigeren Orten wie Pyrgos oder Imerovigli, Sonnenuntergang vom Kraterrand-Weg oder vom Leuchtturm im Süden statt aus Oias erster Reihe. Dann bleibt, was allen Betrieb überstrahlt: dieser absurde Blick in einen gefluteten Vulkan.