Inseln aus der Urzeit
Als Gondwana zerbrach, blieben die Seychellen als Splitter zurück — die einzigen Granitinseln der Welt mitten in einem Ozean. Ihr Alter zeigt die Natur ganz offen: Auf Praslin wächst im Vallée de Mai, einem UNESCO-Welterbe, die Coco de Mer — die Palme mit dem größten Samen des Pflanzenreichs. Bis zu 25 Kilo schwer, und von einer Form, über die Besucher seit Jahrhunderten kichern. Dazwischen rufen Schwarzpapageien, die nirgendwo sonst leben.
Strände mit Charakterköpfen
Jede der drei Hauptinseln hat ihre Berühmtheit: Mahé die lange Anse Intendance mit ihrer Brandung, Praslin die badewannenruhige Anse Lazio, La Digue das Granit-Gesamtkunstwerk Anse Source d’Argent — flaches, warmes Wasser zwischen rosa schimmernden Felsen. Auf La Digue ist das Fahrrad das Hauptverkehrsmittel; Sie radeln zwischen Vanilleplantagen und Ochsenkarren zum Strand und teilen ihn mit Riesenschildkröten, die hier freilaufend die Wege kreuzen.
Mehr als Kulisse: Naturschutz als Staatsprinzip
Rund die Hälfte der Landesfläche steht unter Schutz — einer der höchsten Werte weltweit. Auf Cousin, Aride oder Curieuse brüten Seevögel zu Hunderttausenden. Aldabra im äußersten Süden beherbergt mit über 100.000 Riesenschildkröten die größte Population der Erde — als UNESCO-Welterbe fast unberührt. Wer schnorchelt, trifft im Marinepark Ste. Anne oder um St. Pierre auf Schildkröten im Seegras — Begegnungen sind hier Normalfall, nicht Glückstreffer.
Ehrlich bleiben: Für wen sind die Seychellen?
Für Strand-Ästheten, Wanderer (Mahés Nebelwald-Pfade sind unterschätzt) und alle, die Natur ohne Massenbetrieb wollen — die Inseln sind auf sanften Tourismus getrimmt, Hochhäuser gibt es nicht. Das Preisniveau liegt über Südostasien, aber Selbstversorger-Apartments und Gästehäuser machen die Inseln bezahlbarer als ihr Ruf. Wer Inselhüpfen mag, nimmt die Fähre: Mahé, Praslin, La Digue — drei Charaktere in einer Woche.